Hint: Use 'j' and 'k' keys
to move up and down

Aus den geheimen Gefilden des Mephistopholus

/ zur Revision der progressiven Universalpoesie

"Die romantische Poesie ist eine progressive Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle getrennte Gattungen der Poesie wieder zu vereinigen, und die Poesie mit der Philosophie und Rhetorik in Berührung zu setzen. Sie will, und soll auch Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesie lebendig und gesellig, das Leben und die Gesellschaft poetisch machen, den Witz poetisieren, und die Formen der Kunst mit gediegenem Bildungsstoff jeder Art anfüllen und sättigen, und durch die Schwingungen des Humors beseelen." Friedrich Schlegel: >>Athenäums<<-Fragmente und andere Schriften. Stuttgart, 2005. S. 90.

Tagged with:  #blankdiary  #photography  #art  #kunst  #sexus  #body  #köper

mephistopholus (annika van vugt): charlotte for ever!

"

F A D I N G.
Schmerzliche Prüfung, bei der das geliebte Wesen sich von jedem Kontakt zurückzuziehen scheint, ohne daß diese rätselhafte Gleichgültigkeit gegen das liebende Subjekt gerichtet oder zugunsten dessen geltend gemacht würde, was sonst im Spiel ist, Welt oder Rivale.

1. Im Text ist das Fading der Stimmen eine willkommene Angelegenheit; die Stimmen der Erzählung kommen, gehen, verhallen, durchkreuzen einander; man weiß nicht wer spricht; es spricht, das ist alles: kein Bild mehr, nichts als Sprache. Aber der Andere ist kein Text, er ist Bild, eines und verwachsend; wenn die Stimme sich verliert, verflüchtigt sich auch das ganze Bild (die Liebe ist monologisch besessen; der Text ist heterologisch, pervers).
[…]

2. Es gibt Alpträume, in denen die Mutter auftaucht, das Antlitz zu einer strengen und kalten Miene verdüstert. Das Fading des Liebesobjektes ist die schreckliche Wiederkehr der Bösen Mutter, der unerklärliche Rückzug der Liebe, die bekannte Verlassenheit der Mystiker: Gott existiert, die Mutter ist da, aber sie liebten nicht mehr. Ich bin nicht zerstört, aber da liegengelassen wie ein Stück Abfall.

3. Die Eifersucht bereitet weniger Leiden, denn der Andere bleibt dabei lebendig. Im Fading dagegen scheint der Andere jede Begierde fahren zu lassen, er wird von der Nacht aufgesogen. Ich bin vom Anderen verlassen, aber dieses Verlassensein vermehrt sich um das Verlassensein, von dem er selbst betroffen ist; sein Bild ist von der verwaschenen, abgelegten Art; ich kann an nichts mehr Rückhalt finden, nicht einmal mehr an der Begierde, die der Andere anderswohin richtet: ich bin in Trauer um ein Objekt, das selbst trauert (von daher wird verständlich, in welchem Maße wir der Begierde des Anderen bedürfen, selbst wenn diese Begierde nicht uns gilt).

4. Wenn der Andere im Fading versinkt, wenn er sich zurückzieht, um nichts, es sei denn um einer Angst willen, die er nicht anders zum Ausdruck bringen vermag als mit den dürftigen Worten: ‘ich fühle mich nicht wohl’, scheint er in einem Nebel in die Ferne zurückzuweichen; durchaus nicht tot, aber eine verschwommene Gestalt im Reiche der Schatten; Odysseus hat ihnen einen Besuch abgestattet, sie beschworen (Nekyia); unter ihnen weilte der Schatten seiner Mutter; ich nenne, ich beschwöre so den Anderen, die Mutter, aber was da heraufkommt, ist lediglich ein Schatten.
[…]

"
- Roland Barthes: Fragmente einer Sprache der Liebe. Übersetzt von Hans-Horst Henschen. Frankfurt am Main 1988, S. 106ff. (via walter-benjamin-bluemchen)

(via mephistopholus)

"Nach diesem Gegensatz wird das Menschliche gegen Gottes Tun herabgesetzt, und diese Herabsetzung erhält die nähere Bestimmung, daß für die Weisheit Gottes an die Natur verwiesen wird, gegen welche die menschlichen Werke als ungöttlich gegengestellt werden. […] Es ist aber diese Vorstellung nicht wahr; den Werken der Vernunft könnten wir doch dieselbe Hoheit wenigstens zuschreiben als den natürlichen Dingen. Und mit dieser Gleichheit vergeben wir noch dem menschlichen Tun. Wenn die Naturdinge, die Tiere, etwas vornehmlich Göttliches sein sollen, so muß noch mehr das menschliche Tun als göttliches angesehen werden, denn das menschliche Tun ist in einem unendlich höheren Sinn noch ein göttliches Tun, Werk des Geistes Gottes. Wenn man diesen Gegensatz so nimmt, ist dies ein schlechter Gegensatz, denn der Unterschied zwischen Mensch und den Tieren ist augenscheinlich. Wenn man also fragen wollte, wo das Göttliche zu suchen sei, so ist es vornehmlich in dem menschlichen Produzieren zu finden. Diesen Gegensatz also, diesen Vorzug des Natürlichen hat man von der Hand zu weisen."
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie. Teil 1: Einleitung in die Geschichte der Philosophie – Orientalische Philosophie, in: Hegel: Vorlesungen. Ausgewählte Nachschriften und Manuskripte, Band 6, Hamburg 1994, S. 171. (via diesebastionbehrisch)

Judith Butler (1)

(Quelle: youtube.com)

"„Zeige deine Wunde, weil man die Krankheit offenbaren muss, die man heilen will. Der Raum […] spricht von der Krankheit der Gesellschaft […] Dann ist natürlich der traumatische Charakter angesprochen. Eine Wunde, die man zeigt, kann geheilt werden.” Das Kunstwerk bleibe nicht bei der Verwundung stehen. Es enthalte, so Beuys, darüber hinaus ‘Andeutungen’, dass die Todesstarre überwunden werden kann […] etwas […], das, wenn man genau hinhört, einen Ausweg weist.”"
- Süddeutsche Zeitung, 26./27. Januar 1980
"Art? - It’s a tragedy with good end."
- [marc goymann, 2014] (via audiovisuals)
mephistopholus:

letter by annika van vugt - abgeschickt am 08.01.2012

mephistopholus:

letter by annika van vugt - abgeschickt am 08.01.2012

audiovisuals:

Kuss - Flügel - Flieg (Kiss - Wing - Fly)

(… love does not exist without a broken wing)

Singer and Songwriter: A. van Vugt
Actor: Al
Camera & Cut: marce
Stage setting: Al and marce

Created in 2010 [marc goymann, 2010]

mephistopholus: …. 4 Jahre ist es her….. ich muss an beuys denken: zeige verdammt noch mal deine wunde!!!!

Annika van Vugt: &#8220;love on the beat&#8221; (2010)

Annika van Vugt: “love on the beat” (2010)

(Quelle: audiovisuals.de)

Marc Goymann/Annika van Vugt: “Eine kleine Historie der Familie Heidegger oder wie es auch hätte enden können” (Marburg/Köln 2010)

(Quelle: youtube.com)

"Wenn Valéry in einem Brief schreibt: ›Der wahre Maler sucht sein ganzes Leben lang die Malerei, der wahre Dichter die Poesie, und so weiter. Denn das sind Tätigkeiten ohne Grenzen. Hier muß man das Bedürfnis schaffen, das Ziel, die Mittel und sogar die Schwierigkeiten…‹, so spielt er auf eine andere Form der Erfahrung an. Die Dichtung ist dem Dichter nicht wie eine Wahrheit und eine Gewissheit gegeben, denen er sich nähern könnte; er weiß nicht, ob er Dichter ist, doch er weiß auch nicht, was Dichtung ist, nicht einmal, ob sie ist; sie hängt von ihm ab, von seinem Suchen, Abhängigkeit, die ihn jedoch nicht zum Herrn dessen macht, was er sucht, sondern ihn seiner selbst unsicher und gleichsam inexistent werden lässt. Jedes Werk, jeder Moment des Werkes stellt wieder alles in Frage und jener, der sich nur an ihm festhalten darf, hält sich folglich an nichts fest. Was auch immer er tut, es zieht ihn zurück von dem, was er tut und von dem, was er kann."
- Maurice Blanchot, Der literarische Raum, Zürich 2012, S. 85. (via diesebastionbehrisch)

(Quelle: noxe, via diesebastionbehrisch)